Ibiza

Beim Stichwort Ibiza denken die meisten Leute, die noch nicht da waren, nur an eine gigantische Partyzone.

Mir selber ging es genauso, bevor ich 2012 zum ersten Mal die Insel besucht habe. Ich hatte mir das dort so vorgestellt wie einen riesigen Ballermann, nur eben mit elektronischer Musik statt mit Party-Schlagern.

Völlig überrascht habe ich dann aber festgestellt, dass es dort ganz anders ist. Klar gibt es diese Partyzone mit dem entsprechenden Publikum, aber die Insel ist erheblich vielschichtiger und vieles sieht man auch erst auf den zweiten Blick.

Ibiza ist relativ klein, Mallorca ist fünfmal so gross. Ganz grob lässt sich die Insel in Nord- und Südhälfte einteilen. Die Party findet vorwiegend im Süden und Westen statt. Je weiter man nach Norden fährt, desto bergiger und desto unberührter wird die Landschaft.

Während sich der Massentourismus vorwiegend im Bereich der grösseren Orte Ibizas konzentriert, gibt es auch jede Menge mehr oder weniger gut besuchte Buchten und sehr ländliche Gebiete.

Ibiza hat drei gössere Ortschaften: Ibiza-Stadt (landessprachlich Eivissa), Santa Eularia im Osten und San Antonio im Westen.

Ibiza-Stadt hat einen wunderschönen Altstadt-Bereich, deren befestigter Teil von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

 

 

Ibiza galt ja früher als Hippie-Hochburg und ist trotz mittlerweiler extremer Kommerzialisierung bestrebt, dieses Image auch weiterhin zu pflegen. Es gibt nach wie vor jede Menge sogenannter ‘Hippie-Märkte ‘ und man stösst auf der ganzen Insel immer wieder auf Menschen, Gebäude, Geschäfte etc., die sehr unkonventionell und kreativ sind.

 

 

Parallel dazu ensteht aber auch seit einigen Jahren ein ganz abgehobener, eher unsympathischer Luxustourismus, der sich vor allem durch so überhöhte Preise auszeichnet, dass es für den Normalbürger weder erschwinglich noch nachvollziehbar ist.

War die Idee ursprünglich, die eher destruktive Variante des Billigtourismus einzudämmen, um die Ressourcen und die Schönheit der Insel zu schützen, ist das ganze mittlerweile so ins Gegenteil gekippt, dass mehr und mehr Stimmen laut werden, dass der eigentliche Spirit, der Ibiza ausmacht, dadurch zerstört wird.

Es geht nur noch ums Geld. An der Playa d’en Bossa, wo sich ein exklusiver Beachclub an den anderen reiht,  kann man Hotelsuiten für 5000 Euro pro Nacht mieten und balinesische Strandliegen für 750 Euro pro Tag.

Zum Glück macht sich aber speziell dort auch schon wieder eine Gegenbewgung breit und man findet dazwischen mitunter auch Beachbars, die nur aus einer Bretterbude mit Dixiklo bestehen, aber bessere Musik spielen als all die anderen gehobenen Beachclubs zusammen.

Neben diesen ganzen Extremen findet man aber auch jede Menge stinknormalen Pauschaltourismus.

 

 

Während es in San Antonio vorwiegend die jungen Engländer so richtig krachen lassen, ist das Publikum in den anderen Orten sehr viel gemischter, was die Nationalitäten angeht.

Was ich erstaunlich fand ist, dass es auch sehr viele Familien nach Ibiza zieht und ältere, vor allem auch englische Ehepaare, die den Eindruck machen, als würden sie schon seit 40 Jahren da hinfahren und den ganzen Tag in immer demselben Cafe sitzen.

Ich habe noch nicht so recht durchschaut, was diese Leute da hinzieht, weil ich glaube, dass es für Familien und ältere Leute bessere Destinationen gibt, aber vielleicht habe ich ja einfach nur noch nicht kapiert, was für diese Zielgruppen der besondere Reiz Ibizas ist.

Meine Lieblingsreisezeit ist übrigens der Oktober. Da ist die Party-Saison vorbei, die Temperaturen liegen nur noch so bei angenehmen 24 Grad und man spürt förmlich, wie die Insel durchatmet, weil die Menschenmassen weg sind.

Abzuraten ist vom August – ich habe es zwar selber noch nicht erlebt, aber dieser Monat ist dort der Höhepunkt des allgemeinen Wahnsinns, sowohl die Besucherzahlen betreffend, als auch die Zimmerpreise. Ist mal allerdings am Partyleben interessiert, führt an Juli/August kein Weg vorbei, weil die meisten Clubs erst im Juni eröffnen und im Laufe des Septembers nach und nach schon wieder schliessen.