Sylt mit allen Sinnen erleben – Tipps und Inspirationen

Ich liebe Sylt, und habe die Insel seit meinem ersten Besuch im Jahr 1991 sehr oft besucht. Seit einiger Zeit bin ich sogar in einer Facebook-Gruppe namens ‚Sylt‘, in der sich Sylt-Fans und ‚echte‘ Sylter miteinander austauschen.

Die Frage, die dort gefühlt am häufigsten immer wieder gestellt wird, geht in etwa so: ‚Ich komme zum ersten Mal nach Sylt. Was muss ich unbedingt gesehen haben.‘ Oder auch: ‚Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf Sylt?‘

Die Reaktionen sind immer sehr zahlreich, und vor allem jedes Mal gleich. Es gibt zwei Lager. Die einen rattern sofort diverse vermeintliche ‚Sehenswürdigkeiten‘ runter. Und die anderen machen sich über die ‚doofe‘ Frage lustig.

 

Was muss man auf Sylt unbedingt gesehen haben?

 

 

Meine persönliche Antwort auf die Frage, was man unbedingt gesehen haben muss lautet: Nix. Und die zweite Antwort: Das Meer. Den Strand.

Das klingt nun, als wäre ich auch jemand von diesen Sylt-Kennern aus Gruppe zwei, der die Frage blöd findet, und darauf eine noch blödere, tendenziell arrogante Antwort gibt.

Das ist aber gar nicht so gemeint. Mir ist schon klar, dass die Fragenden wissen, dass es auf Sylt Meer und Strand gibt, und dass sie eher hören wollen, wo sie das ultimative Fischbrötchen bekommen, oder das beste Stück Friesentorte.

Die Sache ist bloss: wenn du einen Sylt-Trip angehst wie eine Städtereise, dann verfehlst du mit grosser Wahrscheinlichkeit das, was Sylt und seine Magie wirklich ausmacht.

 

Sylt ist nicht New York City

 

 

Wenn man eine Städtereise macht, dann ist es ja tatsächlich meist so, dass man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten läuft.

Obwohl – ich muss mich da schon wieder ausnehmen, ich bin selbst bei Städtereisen der Meinung, dass man das Flair und den Spirit einer Stadt am ehesten kennenlernt, indem man sich treiben lässt, und nicht, in dem man alles Mögliche abhakt.

Ich habe es tatsächlich mal geschafft, bei meiner ersten Reise in diese Stadt, eine ganze Woche in London zu verbringen, ohne eine einzige ‚offizielle‘ Sehenswürdigkeit anzuschauen, dafür aber allen möglichen ‚Insider-Tipp‘-Kram.

Und auch 3 Wochen in Sydney gingen einfach so in einem Strandvorort vorbei, bis ich am letzten Tag doch noch hektisch einen Blick auf Harbour Bridge und Opernhaus geworfen habe.

Nun bin ich aber auch jemand, der problemlos Stunden und Tage einfach nur aufs Meer schauen kann, und dabei zufriedener kaum sein könnte.

Ich verstehe , dass es Leute gibt, die mehr Aktionismus brauchen, und für die sowas nix ist. Und das ist selbstverständlich auch ok.

Trotzdem will ich in diesem Artikel mal versuchen auszudrücken, wie ich Sylt erlebe, was ich liebe, und wieso das nix mit Sehenswürdigkeiten zu tun hat.

 

Der Hindenburgdamm – rechts und links nur Wasser

 

Da ich keinen Führerschein habe, fahre ich grundsätzlich mit dem Zug nach Sylt. Ich könnte zwar auch fliegen, aber ich muss ganz ehrlich sagen, ohne diese Zuganreise wäre mein Sylt-Anreise-Vorfreude-Feeling nicht komplett.

Ich starte immer in Berlin, und nach Hamburg werde ich immer kribbeliger, weil ich merke, ich bin jetzt schon erkennbar in Norddeutschland, und komme meinem Sehnsuchtsziel immer näher.

Komischerweise hat die Vorfreude in Husum immer ihren Höhepunkt. Husum heisst für mich: jetzt bin ich wirklich bald endlich da, und ich freu mich so auf das Meer.

Und dann kommt der Hindenburgdamm. Sylt ist über diesen Damm mit dem Festland verbunden, und wenn man aus dem Zugfenster guckt, hat man wirklich das Gefühl, direkt durchs Wasser zu fahren. Das finde ich jedes Mal wieder wunderschön und weiss: nun bin ich aber wirklich, WIRKLICH gleich da.

Diese langsame Anreise, diese sich ständig steigernde Vorfreude, dieses die Küste kommt näher-Gefühl ….das ist schon mal der Anfang einer jeden Sylt-Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

 

Frischer Wind und frische Luft

 

 

Weiter geht’s mit der sinnlichen Sylt-Erfahrung, wenn ich in Westerland aus dem Zug steige. Und erstmal tieeef durchatme.

Auch wenn es auf dem Bahnhof im allgemeinen ein bisschen hektisch und drängelig zugeht, ist sie sofort spürbar: die frische Luft. Und vielleicht auch direkt schon der Wind.

Jetzt kannst du natürlich sagen, das ist doch völlig banal, natürlich gibt’s auf einer Nordseeinsel frische Luft.

Für mich ist das aber gar nicht banal. Sobald ich die Sylter Frischluft einatme, fällt sofort jegliche Berliner Stickigkeit von mir ab, ich spüre den Wind, ich fühle mich der Natur näher – und ich fühle mich sofort freier.

 

Luft, Wind, Sturm

 

 

In Berlin geht mir stürmisches Wetter immer masslos auf die Nerven. Bei solchen Wetterlagen bin ich meistens gereizt und habe schlechte Laune.

Auf Sylt ist das was anderes. Hier gehört der Wind ja auch hin, finde ich. Und hier genieße ich ihn sehr, und gehe bei so ziemlich jedem Wetter nach draussen und lange spazieren – vor allem natürlich direkt am Meer, entweder am Strand oder auf der Promenade.

Und meine Antwort auf die Frage, was man auf Sylt denn den ganzen Tag so machen kann, vor allem bei ’schlechtem‘ Wetter, lautet: geh spazieren. Geh viel spazieren. Geh lange spazieren. Spür den Wind, lass dich nass regnen.

 

Wasser, Wellen und Sand

 

 

Obwohl ich vieles an der Insel Sylt liebe, sind das Meer und der endlose, helle Sandstrand natürlich die Krönung des Ganzen.

Ich kann bei jedem Wetter und zu jeder Tages- und Jahreszeit stundenlang den Strand entlang laufen, ohne müde zu werden. Ich verliere dann jedes Zeitgefühl, und meine Gedanken verlieren jegliche Schwere und Enge.

Besonders schön im Sommer: barfuss durchs Wasser laufen. Mal über den festen Sand, mal tief einsinken. Mal weicher Boden, mal spitze, pieksige Muscheln. Und mal kommt ’ne grössere Welle, und ich bin plötzlich erheblich nasser, als ich vorhatte.

Zwischendurch im warmen, weissen, zuckerigen Sand sitzen. Der Sand klebt an den Füssen und man kriegt ihn kaum wieder ab. Jede Menge Sand in den Schuhen, mit denen man später die Unterkunft schön einsaut. Und komischerweise ist auch IMMER irgendwie Sand im Bett. Und eigentlich auch sonst überall.

 

So hell: die Sonne, das Licht

 

 

Das Licht auf Sylt ist unglaublich hell und gleißend. Bei Sonnenschein sowieso, aber auch bei verhangenem Himmel habe ich meistens das Bedürfnis, mit Sonnenbrille rumzulaufen.

Und soviel Helligkeit, Licht und Sonne ist natürlich der ultimative Stimmungsaufheller. Klingt jetzt wahrscheinlich auch wieder blöd, aber ich spüre immer geradezu, wie in meinem Körper die Vitamin D-Produktion anspringt und rattert, wenn ich auf Sylt bin. Soviel Licht wie dort in wenigen Tagen, bekomme ich in Berlin das ganze Jahr nicht.

Und dadurch auch wieder das Gefühl: so muss das sein, so ist es richtig. Ich bin nah bei der Natur, ich bin Teil der Natur – und deswegen fühle ich mich dort so gut und lebendig.

 

Das magische rosa Licht: Sylter Weststrand bei Sonnenuntergang

 

 

Die gesamte Westseite von Sylt ist natürlich ein einziger Logenplatz für den Sonnenuntergang.

In Westerland auf der Promenade und am Strand ist zur Sonnenuntergangszeit natürlich jede Menge los, und auch ich schaue mir das Spektakel oft an, versuche aber meistens, die Massen zu vermeiden, und suche mir ein ruhigeres Strandstück.

Man kann sich einfach in einen leeren Strandkorb setzen, Füsse in den Sand und das Schauspiel ganz in Ruhe von dort genießen.

Was aber oft noch schöner ist: nach dem Sonnenuntergang entsteht oft eine ganz spezielle Lichtstimmung und alles wirkt dann wie durch einen rosa Filter betrachtet. Ist nicht immer so, aber wenn ich das erlebe, empfinde ich das jedes Mal als absolut magischen Moment.

 

 

Heckenrosen, Strandhafer, Möwengekreisch

 

Überall an der Nord- und Ostsee findet man lange Hecken in denen Wildrosen blühen. Das ist auch so eine typische Zutat für mein Sylt-Feeling: der Heckenrosenduft. Wenn ich den rieche, hebt das sofort meine Stimmung.

Gerade weil diese Rose dort so oft vorkommt, laufen viele wahrscheinlich eher achtlos dran vorbei, aber für mich ist dieser Duft dermassen mit meinem Nordsee-Erleben verknüpft, dass ich oft an so einer Hecke stehenbleibe, um den Duft so richtig zu inhalieren.

Und der Sound dazu: Möwengekreisch. Ohne diesen küstentypischen Backgroundsound ist die Sache auch nicht komplett. Ich versuche immer, eine Unterkunft möglichst in Strandnähe zu bekommen, unter anderem auch, weil ich dann mehr Möwen hören kann. Morgens aufwachen, durch die offenen Fenster kommt die kühle Luft und dazu das Möwengekreisch – das finde ich perfekt, da spüre ich dann gleich ganz deutlich, wo ich gerade bin, obwohl ich das Bett noch gar nicht verlassen habe.

Und dann noch das i-Tüpfelchen der Vegetation: Strandhafer. Genauer gesagt: weisse Dünen mit Strandhafer. Auch so ein Anblick, der dazugehört und den ich einfach nur schön finde.

 

 

Die wichtigsten Sylter Sehenswürdigkeiten im Überblick

 

Ich fasse also nochmal zusammen, was es auf Sylt an Sehenswürdigkeiten gibt, was wichtig ist, und was du auf keinen Fall verpassen darfst: Licht, Luft, Sonne, Wind, Strand, Meer, Heckenrosen, Strandhafer, Möwengekreisch, Regen. Sturm. Lass dir Zeit, lass dich treiben, und nimm alles mit allen Sinnen wahr und genieß es.

Am ultimativen Fischbrötchen und dem tollsten Cafe mit der besten Friesentorte kommst du möglicherweise sowieso ganz zufällig vorbei, ohne aktiv danach zu suchen.

Und wenn nicht ist es auch egal, denn das Wesentliche hast du trotzdem gefunden und erlebt.

 

 

Falls du dich jetzt direkt auf Hotelsuche begeben möchtest. Ich habe 14 schöne Sylter Hotels mal in einem Artikel zusammengefasst.